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Senfherstellung an der Jade
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Senfherstellung an der Jade

Industrielle Senfherstellung


In Deutschland sind Senffabriken ab dem frühen 18. Jahrhundert entstanden. Der Vertrieb des fertigen Senfs erfolgte z. B. über Kolonialwarenhändler aus großen Gebinden und wurde lose abgegeben. Hinlänglichbekannt dürften die blau glasierten Steinguttöpfe mit entsprechender Aufschrift sein, in denen der Senf aufgetischt und aufbewahrt wurde. Etwa ab den 1930er Jahren wurde Senf in die noch heute gebräuchlichen Glasgrößen abgefüllt, nahezu zeitgleich nutzte eine Schweizer Firma die lange zuvor patentierte Tube als Verpackung mit Dosiermöglichkeit. Für lange Haltbarkeit der Würze und Schärfe war und ist eine gekühlte Lagerung erforderlich. Mit der Zeit verschwand die Abgabe des Senf aus großen Gebinden und die Abgabe in kleinen Gläsern setzte sich durch.

Senfproduktion in den 1930er Jahren

Senfproduktion an der Jade


Selbst an der Jade hat es Senffabriken gegeben. Im Adressbuch von 1921 wird erstmals in Wilhelmshaven eine Senffabrik genannt, die von Swoboda in der Fortikationsstraße (heute Freiligrathstraße) 191. Das Haus gehörte dem Kaufmann Matthias Hüppen, der mit dem Fabrikanten Franz Swoboda aus Oldenburg dort die Senffabrikation betrieb. Ebenfalls im Adressbuch von 1921 ist als zweite Senffabrik Ebbinghaus in der Kaiserstraße (heute Weserstraße) 46 aufgeführt. Ebbinghaus hatte im April 1920 eine Senf- und Essigfabrik als Gewerbe angemeldet, das zum 1. Mai seinen Betrieb aufnahm. Der Betrieb wurde jedoch offiziell am 15. Juli 1922 eingestellt und danach von einem Inhaber namens Dähn übernommen. Zum 1. Mai 1928 ist die Haustochter Hertha Dähn in der Kanalstraße 41 mit der Senffabrik in den Gewerbeanmeldungen registriert .Im Juni 1935 stellte Hertha Dähn den Betrieb ein. Möglicherweise hatte sich auch in den Jadestädten der Verkauf von Senf in kleinen Gläsern durchgesetzt.


Ein weiteres Kapitel zur Senfherstellung und -verarbeitung an der Jade, zugleich ein Beleg für die verzweifelten Bemühungen der Jadestädte um eine stabile wirtschaftliche Blüte, schrieben die Nordlandwerke AG vom November 1923 bis 1925. Sie wurden 1923 in Wilhelmshaven gegründet. Nach langen Verhandlungen wurde der Firma der Marineschlachthof auf 30 Jahre verpachtet. Dort produzierte die Nordlandwerke AG Nahrungs- und Genussmittel, wofür sie eine Ölmühle sowie eine Senf- und Essigfabrik betrieb und zugleich Speisefett und -öl herstellte. Nach einem zeitgenössischen Zeitungsartikel waren die Nordlandwerke aus der bereits genannten Firma Swoboda hervorgegangen.

Senf für Kühne


Am 4. September 1946 erhielt die Firma Kühne-Warenberg K. G., Essig-Kühne von der Militär-Regierung Hannover die Produktionserlaubnis für die Herstellung von Mixed-Pickles und Gurken. Benötigt wurden dafür neben Essig auch mehrere Tonnen Senf monatlich. Im Rahmen der Bemühungen um eine wirtschaftliche Neuorientierung Wilhelmshavens – von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft – wurden für viele auswärtige Firmen und Betriebe Ansiedlungsmöglichkeiten gesucht. Dazu zählte auch diese traditionsreiche Firma, die 1896 Senf in ihre Produktpalette aufnahm. Es gab in der Stadtverwaltung deshalb die Überlegung, die neugewonnenen Flächen im Heppenser Groden durch Senfsaat zu kultivieren, womit Kühne einen Teil seiner Rohstoffe selbst gewinnen sollte.


Im Sommer 1948 beantragte die „Zweigfabrik Wilhelmshaven-Mariensiel“ vorübergehend eine zusätzliche Halle, da der von den Landwirten „vertragsmäßig angebaute“ und sofort nach der Ernte angelieferte Senf „auf breiter Fläche ausgeschüttet werden“ sollte, damit er nicht verdarb. Leider ist den Quellen nicht zu entnehmen, ob Kühne auch Tafelsenf produzierte oder ob die bezogenen Senfkörner ausschließlich in den Marinaden für andere Lebensmittel verwendet wurden. Anfang der 1960er Jahre soll Essig- Kühne seine Produktionsstätte in Mariensiel geschlossen haben.


Quelle: „Heimat am Meer“, WZ vom 16.09.2017

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